Tüpfelastrilde (Tigerfinken)

Seit 2006 gehören Tüpfelastrilde zu meinem Vogelbestand. Ich habe in diesem Jahren immer 2 bis 4 Paare gehalten. In den Wintermonaten sind die Paare einzeln in Zuchtabteilen von 120 cm Länge und jeweils 50 cm Höhe und Tiefe untergebracht (ab 2011 in Zimmervolieren von 110 cm Länge, 110 cm Höhe und 60 cm Tiefe), die mit je zwei 15-Watt UV-A und B Terrarienleuchten tgl. 15 Stunden beleuchtet werden. Die Sommermonate genießen die Tiere in der Freivoliere mit Schutzhaus. Gegenüber anderen Volierenbewohnern sind die Tüpfelastrilde zurückhaltend und ziehen sich gern ins Dickicht einer Korkenzieherweide zurück. Sie sind jedoch auch robust genug, sich gegen größere Vögel an der Futterstelle durchzusetzen. Als Grundfutter erhalten sie das ganze Jahr über die Astrilden-Spezial-Mischung von Blattner. Dazu täglich Salatgurke und rote Kolbenhirse aus eigenem Anbau, Mineralien sowie Vogelerde und zerstoßene Eierschalen stehen immer zur beliebigen Aufnahme zur Verfügung.

Meine Tüpfelastrilde sind nicht nur ausgesprochene Sonnen- und Wasserliebhaber, sondern haben sich auch als sehr gute Zuchttiere gezeigt. Die Zuchtabteile sind mit Ästen aus dem eigenen Obstgarten ausgestattet. Als Bodenbelag verwende ich je zur Hälfte feinen Vogelsand und Waldboden. Da meine Paare jegliche Nisthilfen ablehnen und ausschließlich freie Nester bauen, habe ich in jedes Zuchtabteil eine getopfte Tuja aus dem Baumarkt gestellt, bei der ich die Erde mit viel Moos abdecke. Zum einen kommen die Vögel nun nicht mehr an die Blumenerde, zum anderen bleibt die Tuja länger grün und die Luftfeuchtigkeit wird erhöht. In diesen kleinen Strauch bauen alle meine Paare dann aus Kokosfasern und Moos ein ziemlich großes und sehr dichtes Nest, teilsweise mit einer kleinen Einflugröhre. Während der Zucht bekommen die Elterntiere neben dem o.g. Grundfutter Keimfutter, 3-4 Tage alte Salatpflänzchen und eine Mischung aus Orlux-Eifutter, Insect-Patee, geriebener Möhre und Apfel. An tierischer Nahrung nehmen meine Vögel nur zerschnittene Mehlwürmer an, wovon sie tgl. zwei Portionen erhalten.

Zuchtbox (bis 2010)

 

Zuchtkäfig (ab 2011) noch nicht mit Tuja bestückt

Meine Hähne mausern zu Beginn der Zuchtperiode mit Umstellung der Fütterung meist nur unvollständig in ihr Prachtkleid um. Und obwohl sie sich nicht sehen, sondern nur hören können, musste ich feststellen, dass es trotzdem eine Art Rangfolge bei der Dominanz der Hähne gibt, was sich wiederum in der Ausprägung und Intensität des Prachtkleides widerzuspiegeln scheint. Ein Zuchterfolg ist jedoch nicht vom Prachtkleid des Hahnes abhängig. Die Gelege bestehen aus 4 bis 6 Eiern, von denen nahezu immer eines schier ist. Die aus den befruchteten Eiern geschlüpften JV werden sicher großgezogen. Das größte Gelege eines Tüpfelpaares bestand aus 9 Eiern, von denen aber nur eines befruchtet war. Der Jungvogel wurde aber von den Eltern nur ca. 5 Tage gefüttert und dann ohne erkennbaren Grund aus dem Nest geworfen. Auch konnte ich beobachten, dass eine Henne kurz vor dem Ausfliegen der Jungvögel eine außerwöhnliche Aggressivität gegen ihren Hahn und den Nachwuchs entwickelte. Ich habe diese herausgefangen und einzeln gesetzt. Der Hahn hat die 4 JV allein bis zur Futterfestigkeit großgezogen. Bei der nächsten Brut der gleichen Verpaarung trat diese Aggressivität nicht wieder auf. Ich gestatte meinen Zuchtpaare max. 2 Bruten im Jahr. Um den enormen Bruttrieb zu bremsen entferne ich anschließend alle Nistmaterialien und Möglichkeiten zum Nestbau. Dass dies nicht immer ausreicht hat mir ein Pärchen, dass ich im Sommer in die Jungvogelvoliere zu den Nachzuchten der Goulds und Spitzschwanzamadinen gesetzt hatte, nachdrücklich bewiesen. Im Spätsommer wurde aus allem dem man habhaft werden konnte (leere Hirsekolben, welke Blätter der Korkenzieherweide, Federn) unter einem Büschel Pampasgras ein Nest gebaut und bis Mitte Oktober wurden aus 3 Eiern zwei Jungvögel großgezogen.

In diesem Jahr habe ich aufgrund der größeren Zuchtkäfige zum ersten Mal während der Brutzeit jeweils ein Paar Tüpfelastrilde und  Gemalte Amadinen vergesellschaftet. Leider kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie sich das auf die Nachzuchterfolge auswirkt.

 

Jungvogel 2 Tage nach dem Ausfliegen

Gegenüber Nestkontrollen sind meine Tüpfelastrilden relativ empfindlich, was sicher auch an der oben beschriebenen Art des Nestbaues liegt. Um an ein Gelege oder die JV heranzukommen, müsste ich dem Nest zumindest erheblichen Schaden zufügen, was bei meinem ersten und einzigen Versuch mit dem Verlust des Nachwuchses quittiert wurde. Diesem Umstand folgt unweigerlich ein problematisches Beringen der Nachzuchten. Ich versuche dies am Tag des Ausfliegens, was leider nicht immer von Erfolg gekrönt ist.

 

 

1,1 Tüpfelastrilde

1,1 Tüpfelastrilde

 

Zwei Hähne im Ruhekleid

Leider hat das Experiment der Vergesellschaftung von Tüpfelastrilden und Gemalten Amadinen in meinen Zuchtkäfigen nur bedingt funktioniert. Während sich in dem einen Käfig das Pärchen Tüpfel "durchgesetzt" hat und 3 JV ausbrütete, schlüpften in dem zweiten Käfig 3 Gemalte, die Embryos in den 4 Tigerfinkeneiern waren abgestorben.

Obwohl ich die Gemalten aus Käfig 1 sofort nach dem Schlupf entfernte, fütterte das sonst so zuverlässige Tigerpaar nur sehr schlecht. Alle drei JV flogen zwar aus, eines ließen die Eltern aber schon am ersten Tag verhungern. Die anderen beiden hatten bei unverändertem Nahrungsangebot gegenüber erfolgreichen Aufzuchten sehr viele weiße Hungerstreifen im Gefieder. Erst jetzt nach der Jugendmauser in der Freivoliere mit zusätzlichen Vitamingaben und viel Grünfutter und halbreifen Gräsern scheinen sie den Nachteil in der Entwicklung aufzuholen.

In Käfig 2 machten die Gemalten leider keine Anstalten, ihre Jungen überhaupt anzufüttern, sie waren vielmehr damit beschäftigt, die neugierigen Tüpfelastrilden von ihrem Nest fernzuhalten. Auch hier entfernte ich sofort das Paar, die jungen Gemalten rettete diese Maßnahme leider nicht mehr.

Ich habe danach lediglich die Gemalten aus Käfig 1 in einem separaten Zuchtkäfig zur Brut angesetzt. Alle 4 Eier waren befruchtet und nach 16 Tagen lagen auch 4 Jungvögel im Nest. Nach 10 Tagen lag der wahrscheinlich schwächste JV tot am Käfigboden. Die drei verbliebenen aber wurden wie gewohnt vorbildlich großgezogen.


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